Presse

TAGESSPIEGEL

Es ist ein Ort, der das Leben tausender Menschen geprägt hat. Mit einer Audiotour ist der vergessene Ort wieder neu erfahrbar, fühlbar und hörbar.
Der Besucher
macht einen Sprung in die Vergangenheit, erfährt die individuellen Perspektiven und Wahrnehmungswelten der einzelnen Charaktere. Was wir heute als Recht oder Unrecht erachten erschien in der damaligen Zeit als normal und selbstverständlich. Christoph Mayer (…) wollte kein rückwärtiges Gedenken, sondern ein eintauchendes Hineindenken ermöglichen.

DEUTSCHLANDFUNK

Der Ort ist verschwunden, aber dank des Audiowegs vom Klangkünstler christoph mayer chm. kann man ihn jetzt wieder erleben. Mayers Stimme über Kopfhörer lässt den verschwundenen Bau im Kopf der Zuhörer wieder neu erstehen. Immer tiefer taucht der lauschende Besucher in die Geschichte des Ortes ein.
Sich in mehrere Perspektiven gleichzeitig hineinzuversetzen und das für den Hörer auch wirklich möglich zu machen, das ist wirklich nicht einfach.“ Die authentischen Erzählungen ehemaliger Insassinnen und aus Protokollen und Briefen rekonstruierte Texte (…) fordern dazu auf, einen eigenen Standpunkt zu finden. Es ist (…) auch ein Ort des Nachdenkens über unsichtbare Orte wie Gefängnisse. Ganz gleich, ob sie längst nicht mehr existieren oder einfach nicht auftauchen in unserer Wahrnehmung.

BERLINER ZEITUNG

Zum Alexanderplatz sind es nur fünf Minuten, zum trendigen Bötzow-Viertel braucht man in etwa die gleiche Zeit. Hier stand das größte Frauengefängnis der Stadt. Aber das wissen die meisten der Anwohner nicht mehr, die zufällig vorbeikommenden Touristen sowieso nicht. (…) wer den Verkehrsschulgarten betritt kann sich auf eine Zeitreise begeben.

TAZ - die tageszeitung

Dass ein Audioguide seine Besucherinnen eine Szenerie auf mehreren Sinnesebenen erleben lässt und der Rundgang die Hörerinnen in eine aktive Entdeckerposition versetzen kann, ist eben der Vorteil gegenüber dem klassischen Lesestoff auf Museumstafeln. Für die Besucherinnen ist der Audioweg auf dem ehemaligen Gefängnisgelände in erster Linie ein Experiment. Wer sich darauf einlässt, betritt einen Verkehrsübungsplatz, nach knapp neunzig Minuten verlässt er ein Gefängnis.

RBB ABENDSCHAU

Das zentrale Berliner Frauengefängnis stand bis 1974 auf dem jetzigen Gelände der Jugendverkehrsschule Friedrichshain. Hier kann man den Audioguide kostenlos ausleihen und in die Geschichte des Frauengefängnisses eintauchen.
„Hier war Rosa Luxemburg, der Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Akteure des Nationalsozialismus, Republikflüchtlinge.
Deutsche Geschichte ist hier komprimiert an einem Ort.“

DIE WELT

Der Verkehrsplatz dient als Gedenkort, den die Besucher mit Kopfhörern abgehen. Sie bewegen sich durch die unsichtbaren Gänge der Gefängnistrakte (…). Für etwa 300 Frauen, meist Widerstandskämpferinnen gegen den Nationalsozialismus, war die Barnimstraße nur eine Zwischenstation – auf ihrem Weg zur Hinrichtungsstätte. Viele DDR-Bürgerinnen kamen wegen Republikflucht (…) in die Barnimstraße. Artikel aus dem Jahr 1962 berichteten von bis zu 2200 Häftlingen.

NEUES DEUTSCHLAND

Und schon taucht man ein in eine andere Welt. Akustisch befindet man sich jetzt in dem Mikrokosmos Gefängnis. Faktisch steht man auf dem Areal der Jugendverkehrsschule.
Der historische Ort geriet über die Jahre in Vergessenheit. Doch seit vergangenem Samstag treten die unsichtbaren Gefängnismauern nun wieder aus dem Verborgenen heraus. Nicht visuell, sondern rein akustisch.

VISITBERLIN

Ein ungewöhnliches Denkmal
Mir begegnen Prostituierte und Frauen, die abgetrieben hatten oder sich politisch engagierten. Widerstandskämpferinnen, Republikflüchtige (…) bewegen sich mit mir. Sie ziehen mich rund 90 Minuten hinein in die teils völlig konträren Gedankenräume ihrer Epochen.

MITTELWEG 36 – Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung

Im Osten Berlins hat Deutschland im Laufe des 20. Jahrhunderts nicht weniger als sechsmal seine politische Gestalt grundlegend und abrupt geändert: auf das Kaiserreich, das im ersten Weltkrieg zerbrach, folgte die Weimarer Republik, der NS-Staat, die sowjetische Besatzungszeit, die DDR und der Beitritt zur BRD.
Historische Gebäude werden permanent abgerissen, umgebaut, oder durch neue Nutzung unkenntlich gemacht. Auch das Gedächtnis der Bewohner (…) löst sich nach spätestens drei Generationen immer wieder auf.
(…) zwei Arbeiten Christoph Mayers (…) in denen er scheinbar neutrale Orte in historische Erinnerungsorte verwandelt.
Diese Orte haben eine zeitversetzte Wirkung: Sie machen nachträglich sichtbar, was damals so nicht gesehen werden konnte, sollte oder wollte.
Der Audioweg (…) legt das Verschüttete frei, ohne dafür auch nur einen Stein zu bewegen. Er schneidet durch die Zeitschichten hindurch und holt das Verdrängte und Verschwiegene ins Bewusstsein zurück.
Gegenwart und Vergangenheit werden durch die Stimmen, die persönliche Erfahrungen und lebendige Erinnerungen verkörpern, leibhaftig miteinander verbunden.
Stufe für Stufe dringt man wie in einem Fahrstuhl in einer Tiefgarage immer tiefer in die Vergangenheit ein. Es öffnet sich ein unterirdisches Stockwerk nach dem anderen. Die Besucher bekommen keinen Gedenkstättenführer in die Hand, der sie durch dieses Labyrinth der Geschichte leitet; vielmehr werden sie dazu angeregt, die persönlichen Erfahrungen und Geschichten nah an sich heranzulassen, die entgegengesetzten Pole und Perspektiven auszuhalten und sich selbst mit diesen Innensichten auseinanderzusetzen.
Wer sich diesem Parcours von 80 Minuten am historischen Ort aussetzt, erlebt keine Diktatur der Vergangenheit, sondern erhält die Chance einer persönlichen Begegnung und Auseinandersetzung mit Geschichte, die nicht nur kognitiv vermittelt, sondern auch sinnlich erlaufen und erfahren wird.

DEUTSCHLANDRADIO KULTUR

Der iPod als Erinnerungsmaschine
Gedenkorte machen sich häufig die Mühe, das Verschüttete und Unsichtbare wieder sichtbar zu machen durch Gegenstände und Bilder, mindestens aber Gedenksteine. Neue Formen der Erinnerungskultur (…) kommen fast gänzlich ohne Dinge aus. Erinnerung wird da im Kopfhörer erzeugt.
Mit den Fußsohlen berührt man einen Boden, von dem man weiß, hier ist etwas gewesen. Da ist eigentlich nur noch (…) der „Fußabdruck“ des Gebäudes, (…) genau der offene Raum, der nicht wieder bebaut worden ist.
Und was man heute sieht, hat mit dem historischen Ort nichts mehr zu tun, das ist eine Verkehrsübungsstelle, auf der Jugendliche mit Helmen ausgerüstet Verkehrsregeln erlernen. Und in diesen kleinen Trubel darf man sich einbetten (…) und gleichzeitig macht man einen Spaziergang in die Geschichte, in dem man wirklich Schicht um Schicht freilegt. (…) fünf Epochen sehr komplizierte deutsche Geschichte mit ständiger Veränderung der Regime und der Regeln und der Werte mal in einem von Mensch zu Mensch-Kontakt an die Besucher zu vermitteln (…) durch Stimmen und eine Stimme ist ja was ganz besonderes, ist etwas körperliches, (…). In einer Stimme spiegelt sich ein Mensch.